Schöne neue Welt

Zur Toilette, um den Puls und Blutzucker zu messen? Milch nicht nur trinken, sondern auch anziehen? Lesen Sie, was die Zukunft alles für uns bereit hält und wie Sie mit innovativen Produkten in der eigenen Wohnung unabhängig bleiben können. Senioren sind nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit steigendem Potential, sie stimulieren auch Innovationen.

Wenn Maria nachts auf die Toilette muss, beleuchtet der Bewegungssensor im Fussboden automatisch den Weg ins Bad. Sollte sie stürzen, schlagen die im Fussboden eingelegten Sensoren Alarm beim Notruf. Die Toilette mit Duschfunktion misst nebenbei den Blutzucker. Am Geländer der Toilette kann der Puls vermessen und ein EKG durchgeführt werden.

Sieht so die Zukunft aus? Zumindest in der Forschungswohnung der Hochschule Kempten, die Konzepte und Assistenzsysteme entwickelt. Das Appartment ist in einer Seniorenanlage untergebracht und nennt sich AAL Living Lab. Die Studenten der Fakultäten Elektrotechnik, Soziales und Gesundheit können hier direkt mit ihrer Zielgruppe den Praxistest durchführen.

Wenn Ihre Beweglichkeit nachlässt, sollten die Gegenstände um Sie herum beweglich werden.

Die Oberschränke in der Küche sind beweglich und öffnen sich selbständig. Spüle, Regale und Arbeitsflächen sind per Knopfdruck höhenverstellbar. Griffmulden am Tisch erleichtern das Aufstehen. Demnächst kann ein intelligenter Kühlschrank Lebensmittel beim nahegelegenen Supermarkt bestellen.

Im Wohnzimmer kann über eine Fernbedienung das Licht dem individuellen Biorhythmus angepasst werden. Es nennt sich biodynamisches Licht und lässt sich in unterschiedlich warme oder kühle Tönen einstellen und so dem Tagesverlauf folgen.

Der Schrank im Schlafzimmer hat eine Drehfunktion, ähnlich wie in einer Reinigung fahren die Kleider Karussell, nur vertikal statt horizontal. Vielleicht hängen darin demnächst aus Milch hergestellte Textilien.

Sie können Milch trinken, darin baden oder sich damit einkleiden.

Während Kleopatra noch in Milch gebadet hat, können wir unseren Körper damit einkleiden. Das deutsche Unternehmen qmilk stellt Milchfasern her, mit denen mittlerweile diverse Kollektionen und sogar Toilettenpapier, Filz und Matten hergestellt werden. Die Gründerin Anke Domaske hatte die Idee, weil ihr Schwiegervater wegen einer Textilallergie nichts zum Anziehen fand und auch Naturfasern nicht vertrug. Für ihre Produktion hat sie unter anderem den Green Tec Award gewonnen.

Die Milch, die verwendet wird, ist als Lebensmittel nicht mehr brauchbar und müsste eigentlich entsorgt werden. So entsteht aus einem Abfallprodukt etwas Neues. Weil diese Faser auch noch auf natürliche Weise antibakteriell wirkt, atmungsaktiv ist und Temperatur gut regulieren kann, ist sie den meisten Textilien sogar überlegen. Folgerichtig soll demnächst auch Bettwäsche auf den Markt kommen. Und wenn Maria dann nachts mal wieder vom Bad ins Bett zurück kehrt, schläft sie vielleicht in einer Milchfaser-Bettwäsche und träumt, sie sei Kleopatra.

++Leo

Quellen:

https://www.vierwaende-im-allgaeu.de/experiment-der-hochschule-kempten-wohnung-der-zukunft/

https://www.sunacare.de/seniorenwohnanlage-und-aal-living-lab-kempten/

https://www.youtube.com/watch?v=nUf1pjy-DC0

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46997

https://www.qmilkfiber.eu/qmilk-faser-modische-anwendung

Schreibe einen Kommentar