Die Fenster

Wer von innen durch ein offenes Fenster blickt, sieht niemals so viel wie derjenige, der ein geschlossenes Fenster betrachtet. Nichts ist tiefer, geheimnisvoller, reicher, dunkler, strahlender, als ein Fenster von einer Kerze beschienen. Was man an der Sonne sehen kann, ist immer weniger interessant, als was hinter einer solchen Glasscheibe geschieht; in dieser schwarzen oder leuchtenden Öffnung lebt das Leben, träumt das Leben, leidet das Leben.

Charles Baudelaire

Unsere Gastautorin widmet sich dem Thema „Fenster“
Anlass war die Ausstellung „AUSSICHT – EINSICHT“ im Bad Homburger Sinclair-Haus.

Meine Nachbarin hat den grünen Daumen, während ich nur blaue Gedanken habe. Sie hegt und pflegt ihr Fenster, vor dem sie – im öffentlichen Straßenraum – Töpfe und Kübel mit den unterschiedlichsten Pflanzen aufgestellt hat. Alles saftig, üppig, grün.
Das Muttertags-Fenster

Zeit zum Losfahren – das Fahrrad will ‘raus!
Ein Blick aus dem Museum für Weltkulturen auf die Frankfurter Skyline – die herrlichen Platanen, die aufstrebenden Hochhäuser, ein klitzekleines bisschen Main (aber nur, wenn man es weiß).
Auf dem Rhein
Was weiß ich
Blick aus dem Georg-Kolbe-Museum, das in dem ehemaligen Atelier des Bildhauers ein-gerichtet ist, auf das frühere Wohnhaus, heute ein gemütliches Café. Liebermann’sche Sonnenflecken unter haushohen Kiefern, die schüchtern ein wenig nach Sommer duften. DAS Bild ist schief, wo ist das Museum?
Da es kein Fenster zum Meer gab und auch keines, in dem sich das Meer gespiegelt hätte, und schon gar nicht ein Fenster auf dem Meer, begnüge ich mich mit einer Abbildung des Portalfensters des Strandbahnhofes von Travemünde.
Da habe ich mal keine Ahnung, bis jetzt
Freundlich, aber auch buchstäblich unnahbar schaut Herr Gauß auf uns herab aus den für Normalsterbliche unerreichbaren Höhen der höheren Mathematik.
Wie ein riesiger Koloss (Tautologie, klingt aber einfach noch riesig-riesiger …) steht die Platane (mein Lieblingsbaum) vor dem Fenster des Nebbienschen Gartenhauses.
Gut umgestellt? Alles eine Frage der Einstellung. Am Tag zuvor wurde es hier um diese Zeit schon langsam dämmerig.
La vie en rose … Zugegeben, das Fenster ist nicht der eigentliche ‚Star‘ auf diesem Bild. Die Magnolie stellt mit ihrer berstenden rosigen Lebensfreude buchstäblich alles andere in den Schatten. Dabei können wir hier nur einen kleinen Teil von ihr sehen (damit ich doch noch beim Thema bleiben kann).
Blick auf die ehemalige Großmarkthalle und die Europäische Zentralbank aus einem Fenster der Volkshochschule.
Exotisch und bunt wirkt das Schmuckfenster in der „Neuen Altstadt“ von Frankfurt. Das kleine Freilichtmuseum mit seinen Anklängen an frühere, vermeintlich „gemütlichere“ Zeiten ist der jüngste Stolz vieler Frankfurter und eine enorme Touristenattraktion, unter anderem vernehmbar an dem vielfältigen Sprachgemisch, das einem dort in den Ohren klingt. Aus Neu mach‘ Alt. Patina hat die Neue Altstadt allerdings noch nicht. Bleibt abzuwarten, ob sie in Würde altern kann.
Als kleine Hommage an diese Ausstellung beginnt die Reihe mit einem Ausblick – oder, wie es im Titel heißt – einer Aussicht aus dem Sinclair-Haus in den vorgezogenen Frühling.

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